Eine Bachorgel für Regensburg

 

Die Dreieinigkeitskirche wurde von 1627 bis 1631 als größte evangelische Kirche Regensburgs erbaut. Sie empfängt die Besucher des Weltkulturerbes in der Gesandtenstraße. Die Turmbesteigung und der wunderbare Blick über die Dächer der Altstadt ist ein Erlebnis. Ebenso der Kirchenraum, der zu Gottesdienst und Konzerten einlädt.

1758 erhielt die Dreieinigkeitskirche eine große Orgel von dem Regensburger Orgelbauer Franz Jakob Späth. Von dieser Orgel sind nur noch das komplette historische Gehäuse und einige wenige Pfeifen erhalten. Das dahinter befindliche Orgelwerk von 1966 wurde zu Beginn der Renovierungsarbeiten im Kircheninnenraum 2008 abgebaut.

Nun brauchen dieses leere Gehäuse und die Dreieinigkeitskirche ein neues würdiges Instrument.

Warum?

Regensburg war und ist eine Stadt der Kirchenmusik. Und inzwischen auch eine Stadt großer Kirchenorgeln. Neubauten stehen im Regensburger Dom, in der Basilika zur Alten Kapelle und in der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik, der ältesten Kirchenmusikschule der Welt. Denkmalorgeln sind die erhaltene Späth-Orgel von 1750 in der Kirche St. Oswald und die Instrumente im Historischen Museum. Zusammen bieten diese Orgeln die einzigartige Möglichkeit, in Regensburg ein breites Spektrum an Orgelmusik authentisch darzustellen. Das gibt es nur hier. Man findet Vergleichbares nicht einmal in den benachbarten Großstädten München oder Nürnberg.

Was Regensburg fehlt, ist eine Orgel, auf der sich spezifisch die Musik Johann Sebastian Bachs adäquat darstellen lässt, also eine Orgel nach thüringisch – mitteldeutschem Vorbild. Für diesen Orgeltyp hatte Bach seine Musik komponiert. Diese Lücke kann nun in der  Dreieinigkeitskirche durch ein stilistisch klar ausgerichtetes Instrument geschlossen werden. Aus diesem Grunde wurde der Name “Bachorgel” gewählt. Auch wenn Bach selbst nie in Regensburg war. Unser Anspruch möge ihm gefallen, eine Orgel zu bauen, die seinem weltberühmten Werk gerecht wird. Geplant ist ein neues Orgelwerk mit 30 Registern und ca. 2.500 Pfeifen. Die Gesamtkosten betragen ca. 1 Million Euro.

 

Der Orgelbauer

Der ausführende Orgelbauer wurde am 11. April 2014 auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben: Hendrik Ahrend und seine Firma Orgelbau Ahrend aus Leer in Ostfriesland. Initiator und Regensburger Stadtkantor Roman Emilius präsentierte den Orgelbauer, der aus dem monatelangen Auswahlverfahren einer Orgelfachkommission aus Bewerbungen aus ganz Europa einstimmig gekürt worden war.

Hendrik Ahrend erläuterte, dass die Orgelbaufirma Ahrend bekannt für ihre sachkundigen Restaurierungen sei, aber auch bei Orgelneubauten nach altbewährten historischen Methoden vorgehe, deshalb gebe seine Firma auch „300 Jahre Garantie“ für ihre Orgeln. Keineswegs stehe schon das neue Regensburger Instrument in allen Details fest: „Orgeln entstehen als Prozess aus vielen Sachverständigen-Diskussionen. Erst wenn ich den Bauplan reinzeichne, steht die Orgel dann fest“, so Ahrend. Jedenfalls werde sich sein Instrument nahtlos in die hohe Bedeutung der Dreieinigkeitskirche einfügen.

Schon 15 Monate später, am 21. Juli 2015, konnte der designierte Orgelbauer Hendrik Ahrend wieder von Ostfriesland nach Bayern reisen. Nachdem Förderverein und Gemeinde mit 500.000 Euro an Spenden weit über das geforderte Drittel der Baukosten hinaus gesammelt hatten, konnte der Bauvertrag feierlich unterzeichnet werden. Donaudekan Eckhard Herrmann, Pfarrer Martin Schulte und Kantor Roman Emilius zeigten sich sehr zuversichtlich, dass auch die restlichen Baukosten durch Spenden gedeckt werden könnten. Im Jahr 2018 soll die Bachorgel Regensburg dann erstmals erklingen – so Gott will.

Unterzeichnung des Bauvertrags am 21. Juli 2015 in der Dreieinigkeitskirche Regensburg – vorn Orgelbauer Hendrik Ahrend und Pfarrer Martin Schulte, hinten Klaus Neubert, Geschäftsführer der ev.-luth. Gesamtkirchenverwaltung Regensburg, Kirchenvorstand Christine Massinger, Kantor Roman Emilius und “Donaudekan” Eckhard Herrmann

 

 

Die Mitglieder der Orgelfachkommission

  • Hans Ulrich Funk
    (Orgelsachverständiger aus Herzberg am Harz)
  • Reinhold Morath
     (Orgelsachverständiger der evangelischen Landeskirche in Bayern)
  • Dr. Martin Balz
    (Orgelsachverständiger/Gesellschaft der Orgelfreunde)
  • Kirchenmusikdirektor Thomas Rothert
    (Hochschule für evangelische Kirchenmusik Bayreuth)
  • Prof. Stefan Baier
    (Rektor der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik) 
  • Kirchenmusikdirektor Roman Emilius
    (evangelischer Stadt- und Dekanatskantor Regensburg)

Die Orgelfachkommission bei der Vorstellung des Orgelbauers am 11. April 2014 (v.l.n.r.): Orgelbauer Hendrik Ahrend, Sachverständiger Hans Ulrich Funk, Kantor Roman Emilius, Rektor Prof. Stefan Baier, Dekan Eckhard Herrmann, Sachverständiger Reinhold Morath und Pfarrer Ulrich Burkhardt

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